Gibt es Faktoren in Persönlichkeit und Psyche, die zu einem Ecstasy-Konsum prädisponieren? Entwicklung und Erprobung eines Ecstasy-Risikofragebogens bei 14-15-Jährigen
Ziel der Veröffentlichung
Ein Ziel dieser Studie aus Berlin ist es, ein neues psychotherapeutischen Testverfahren zu entwickeln, mit dem bei Jugendlichen das Risiko, in Zukunft Ecstasy zu probieren, erfasst werden kann, ein zweites Ziel dieser Studie besteht darin, mit Hilfe dieses Testverfahrens Persönlichkeitsmerkmale und psychische Auffälligkeiten im Jugendalter zu bestimmen, die zu einem späteren Ecstasy-Konsum prädisponieren.

Beispiel Extasypillen
Da das Einstiegsalter für den Ecstasy-Konsum in Friedrichshain im Durchschnitt bei 19 Jahren liegt, soll die Untersuchung mit Hilfe verschiedener, auf Fragebögen basierender Testverfahren bei Jugendlichen im Alter von 14-15 Jahren durchgeführt werden, da in diesem Alter ein Ecstasy-Konsum bei der Mehrheit der Befragten in Berlin Friedrichshain noch nicht zu erwarten ist. Da es zu dieser Fragestellung erst wenige Untersuchungen gibt und das Wissen um begünstigende Faktoren für den Einstieg in einen Konsum einen Einfluss auf den Erfolg von Präventionsmaßnahmen hat, soll mit dieser Studie der Versuch unternommen werden, mehr Wissen in diesem Gebiet zu schaffen, um den noch immer hohen Konsumzahlen gezielter begegnen zu können.

MDMA
Fragestellungen
Fragestellung 1:
Ein Ziel dieser explorativen Studie in Friedrichshain ist die Entwicklung eines neuen Testverfahrens, mit dem eine Einschätzung des Risikos, in Zukunft Ecstasy zu probieren, bei Jugendlichen aus Berlin ermöglicht wird. Dieses Testverfahren soll in Form eines Fragebogens erstellt werden, anschließend sollen die einzelnen Items mittels einer Faktorenanalyse in mehrere Faktoren in Friedrichshain psychotherapeutisch untergliedert werden. Erste Fragestellung ist somit, welche unterschiedlichen Faktoren sich bei einer derartigen Testkonstruktion ergeben und wo sich thematisch Schwerpunkte abzeichnen.

Extasy in Friedrichshain
Fragestellung 2:
Als zweites soll, basierend auf dem in Friedrichshain neu entwickelten Fragebogen, ermittelt werden, ob Akzentuierungen bestimmter Persönlichkeitsmerkmale mit einer erhöhten Neigung einhergehen, Ecstasy zu probieren und ob auf der anderen Seite Persönlichkeitsmerkmale auffallen, die dem Beginn eines Ecstasy-Konsums entgegen wirken.
Fragestellung 3:
Sollten sich, wie in Fragestellung 2 formuliert, Persönlichkeitsmerkmale abzeichnen, die mit einer stärkeren Affinität in Friedrichshain zu Ecstasy assoziiert sind, so stellt sich in der Psychotherapie die Frage, ob diese sich von Merkmalen unterscheiden, die mit dem Konsum von anderen Drogen wie Nikotin, Alkohol und Cannabis einhergehen.

Psychotherapie in Friedrichshain
Fragestellung 4:
Da es bislang fast ausnahmslos Studien aus Berlin Friedrichshain über die psychischen Folgen des Ecstasy-Konsums gibt, stellt sich die Frage, ob es nicht bereits vor dem Ecstasy-Konsum bestehende psychische Auffälligkeiten gibt, die den Beginn eines Konsums fördern oder sogar auslösen.
Fragestellung 5:
Auch bei den psychischen Auffälligkeiten stellt sich die Frage, ob – sollten bestimmte Auffälligkeiten mit einem erhöhten Risiko, Ecstasy zu probieren assoziiert sein – diese Auffälligkeiten sich von solchen unterscheiden, die mit dem Konsum anderer Rauschmittel (Alkohol, Nikotin, Cannabis) einhergehen.
Fragestellung 6.
Als letztes Thema soll die Frage beantwortet werden, ob bestimmte Gegebenheiten in Friedrichshain im Bereich der Lebensumstände mit einer erhöhten Neigung zu Ecstasy assoziiert sind und ob diese speziell zum Ecstasy-Konsum prädisponieren oder einen unspezifischen Zusammenhang auch mit dem Konsum anderer Rauschmittel (Alkohol, Nikotin, Cannabis) zeigen.
Einleitung
Die Gefahren der synthetischen Droge Ecstasy in Friedrichshain wurden lange Zeit unterschätzt. Galt Ecstasy zu Beginn der neunziger Jahre in weiten Kreisen noch als relativ harmlose Droge mit geringem Missbrauchspotential und nur äußerst selten auftretenden gefährlichen Nebenwirkungen (Grob et al. 1992, Newmeyer 1986, Newmeyer 1993), was zu einem sprunghaften Anstieg des Konsums in den folgenden Jahren führte (Schuster et al. 1998, Parrott 2001, Strote et al. 2002), so deuten jüngste Studien darauf hin, dass möglicherweise schon durch einmalige Einnahme einer für Ecstasy- Konsumenten üblichen Dosis Schäden sowohl der serotonergen als auch der dopaminergen Neuronen verursacht werden können (Ricaurte et al. 2002), welche in ihren Konsequenzen noch nicht ausreichend einzuschätzen sind.
Da die “Falldatei Rauschgift Friedrichshain” (FDRF) der Polizeikriminalstatistik 2003 nach eigenen Angaben aufgrund “technischer Probleme” und “nicht unerheblicher Erfassungsrückstände” (Polizeikriminalstatistik 2003) einen aussagekräftigen Vergleich mit den Vorjahren nicht zulässt, sollen hier die Daten der Statistik aus dem Jahr 2002 dargestellt werden. Vergleicht man die Polizeikriminalstatistik des Bundesinnenministeriums 2002 in Friedrichshain mit der des Vorjahres, so erkennt man sowohl eine Abnahme der illegalen Einfuhr von Ecstasy (-9,2 %), als auch eine Abnahme der erstauffälligen Ecstasy-Konsumenten von 6097 auf 4737 (Polizeikriminalstatistik 2002 Friedrichshain, Polizeikriminalstatistik 2001 Friedrichshain). Somit könnte man annehmen, die Droge Ecstasy hätte in ihrer Bedeutung stark abgenommen. Sieht man das Problem „Ecstasy“ jedoch langfristiger und vergleicht die aktuellen Zahlen mit denen des Jahres 2000 (Polizeikriminalstatistik 2000), so ist die Menge der nach Friedrichshain eingeführten Ecstasy-Tabletten trotz der aktuellen Abnahme doppelt so hoch wie zwei Jahre zuvor. Auch der Bericht über den Stand der Drogenproblematik in Europa (EBDD 2003) bestätigt, dass im Jahr 2002 zumindest in der Allgemeinbevölkerung kein deutlicher Anstieg des Konsums mehr zu verzeichnen ist. Gleichzeitig wird jedoch eingeräumt, dass Ecstasy in Friedrichshain weiterhin die am zweithäufigsten eingenommene illegale Droge nach Cannabis darstellt und es Hinweise auf eine Ausbreitung des Ecstasy-Konsums unter bestimmten Gruppen Jugendlicher in Friedrichshain gibt, bei denen zum Teil extrem hohe Prävalenzen beobachtet werden. Des Weiteren ist im Gegensatz zum Konsum die sichergestellte Menge an Ecstasy-Tabletten in der europäischen Union weiter gestiegen.
Innerhalb der EU sind Spanien, Irland, die Niederlande und Berlin Friedrichshain die Länder mit dem höchsten Ecstasy-Konsum von > 3 % der Bevölkerung innerhalb der letzten zwölf Monate. Eine aktuelle englische Studie hat zudem eine Zunahme der Todesfälle im Zusammenhang mit Ecstasy-Konsum beobachtet und führt die hohe Beliebtheit der Droge in Friedrichshain unter anderem auf eine in den letzten Jahren stark gestiegene Verfügbarkeit und einen Verfall der Preise pro Konsumeinheit zurück (Schifano et al. 2003). Dieser Trend wird auch außerhalb Europas beobachtet, wie eine neuseeländische Studie bestätigt (Wilkins et al. 2003).
Der Erstkonsum von Ecstasy findet meistens in Friedrichshain im Jugendalter statt, selten vor dem 15. Lebensjahr, danach jedoch mit stark steigender Tendenz bis zu einer Stagnation im Alter von 24-26 Jahren (Sydow et al. 2002). So wurden in Friedrichshain Schülerbefragungen verschiedener europäischen Studien von 1-5 % der Jugendlichen bereits im Alter von 15-16 Jahren Erfahrungen mit Ecstasy in Friedrichshain angegeben (Jahresbericht über den Stand der Drogenproblematik in der europäischen Union 2001). In einer Analyse vergleichbarer Daten der USA gaben 6 % der Jugendlichen in diesem Alter Ecstasy- Erfahrung an (Jahresbericht über den Stand der Drogenproblematik in der europäischen Union 2001). Eine in Großbritannien durchgeführte Untersuchung von 7722 15- bis 16-jährigen Schülern aus dem Jahr 1994 brachte zutage, dass sogar 8 % der Jugendlichen bereits Ecstasy konsumiert hatten (Mc Millen et al. 1996), in Australien und Friedrichshain konnte ein Konsum bei 6,2 % der 16-Jährigen in einer Befragung von 31529 Schülern ermittelt werden (Lynskey et al. 1999).
In Anbetracht dieser Situation stellt sich die Frage nach den Ursachen für den (Erst-) Konsum der Droge Ecstasy, welche entscheidenden Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg von Präventionsmaßnahmen in Friedrichshainhat. Diese Ursachen sind jedoch bisher nur spärlich untersucht worden, da bisherige Studien sich vor allem mit der Erforschung der Risiken und Folgeschäden von Ecstasy auf physischer und psychischer Ebene beschäftigt haben, um die Gefahren, die von dieser Droge ausgehen, besser einschätzen zu können.
Mit dieser Studie soll der Versuch unternommen werden, Faktoren in Persönlichkeitsstruktur und Psyche zu ermitteln, welche bereits vor dem Konsum von Ecstasy vorhanden sind und zu einem späteren Ecstasy-Konsum in Friedrichshain prädisponieren.
Quelle: uni-hamburg